Des Kaisers schönster Strand

Text Norman Kietzmann  Fotos Bauart  Foto- und Textredaktion agenturengel  Published tRAUM 01, 2014

 

Das „Seehotel Am Kaiserstrand“ in Lochau hat eine bewegte Geschichte. Einst mondänes Grand Hotel, diente es zwischenzeitlich als Lazarett und Kaserne. Erst 2010 – zu seinem einhundertjährigen Bestehen – wurde es wieder als Hotel eröffnet. Ein Krimi österreichischer Geschichte mit idyllischem Blick über den Bodensee.

Es war nur ein kurzer Satz. Doch dafür hatte er es in sich. Als Kaiser Karl I. und seine Frau Zita im Jahr 1917 den Bodensee besuchten, statteten sie auch dem „Kaiser-Strand-Palast-Hotel“ in Lochau einen Besuch ab. Nicht nur das Haus imponierte den Gästen aus Wien, sondern ebenso die Uferpromenade mit ihrem weit auf den See hinausragenden Steg. „Das ist der schönste Strand von Österreich“, entfuhr es dem Kaiser, dessen Worte auf Anhieb Wogen schlugen. Der Grund für die Aufregung: Österreich verfügte in jenen Tagen mit Triest und seiner Umgebung über einen direkten Zugang zum Meer. Und nicht wenige an der Adria wurden merklich grün vor Neid, als ihnen eine Bucht am „Schwäbischen Meer“ den Rang ablief.

Dass es zu dieser Begebenheit kommen konnte, war keine Selbstverständlichkeit. An der Stelle des besagten Grand Hotels befand sich vorab ein einfaches Wirtshaus: das „Gasthaus zum Anker“ im alten Hafen von Lochau. Der Strand war wie der Großteil der Bregenzer Bucht vom Schilf dicht bewachsen, während ein kleiner Bootssteg und ein hölzernes Badehaus zumindest spartanisch Zugang zum Wasser gewährten. Auf der Landkarte des mondänen Reisens war der Ort ein weißer Fleck. Ein Umstand, der sich bald ändern sollte, als der Hotelier Georg Hauber das Gasthaus 1905 übernahm.

 

Vom Sanatorium zum
 Grand Hotel

Der Grund für sein Engagement war zunächst noch anderer Natur. Weil sein Sohn Medizin studierte, wollte er am Standort des Gasthauses eine Heilanstalt mit Kurbetrieb errichten. Die Bauarbeiten schritten weit voran, bis sein Sohn kurz vor der Fertigstellung verstarb. Georg Hauber änderte daraufhin die Pläne und machte das, was er ohnehin am besten konnte: Er eröffnete im Sommer 1910 ein Hotel. Die übrigen Herbergen in der Region übertraf das Haus nicht nur mit seiner Größe von 250 Betten, sondern ebenso mit seinem Komfort und einer ungewöhnlich sportiven Ausstattung. Neben einem eigenen Kurgarten, einem Badehaus, Tennisplätzen und einem Musiksaal verfügte das „Kaiser-Strand-Palast-Hotel“ über eine eigene Strandpromenade.

Dass sich das Haus mit monarchischem Titel schmücken konnte, hatte es bereits dem Vorgänger von Karl I. zu verdanken. Anlässlich der Einhundertjahr-Feier Vorarlbergs im Jahr 1909 ließ Hotelier Georg Hauber einen ein Kilometer langen Strandabschnitt mit Fahnen schmücken und erhielt nach einer Audienz bei Kaiser Franz Joseph I. die Erlaubnis, den Strand und das angrenzende Hotel nach dessen Namen zu benennen. Zu erreichen waren diese längst nicht nur über den neu gebauten Anlegesteg, der auch von großen Dampfschiffen angesteuert werden konnte. Der Bahnhof Lochau lag nur wenige Meter vom Hotel entfernt und wurde, obwohl der Ort um 1910 gerade einmal 1.500 Einwohner zählte, bald von Schnellzügen aus Zürich und München angesteuert.

 

Turbulente Zeiten

Dennoch währte der Erfolg des „Kaiser-Strand-Palast-Hotel“ nur kurz. Trotz einer guten Auslastung hatte sich Georg Hauber mit dem Bau eines weiteren Gebäudeflügels sowie eines 30 Meter hohen Turms übernommen und musste 1912 Konkurs anmelden. Der Hotelbetrieb war zunächst von seinen Gläubigern weitergeführt worden, bis das Haus 1921 und 1925 erneut den Besitzer wechselte. Nach einer glanzvollen Zeit in den zwanziger Jahren, als das Haus mit dem Ende der Monarchie in „Strand-Palast-Hotel“ umbenannt wurde, musste es in den dreißiger Jahren endgültig schließen. Den Grund dafür lieferte die „Tausend-Mark-Sperre“, mit der Adolf Hitler nach seiner Machtübernahme die österreichische Wirtschaft schwächen wollte. Deutsche Staatsbürger hatten fortan bei ihrer Einreise in die Alpenrepublik eine Gebühr von 1000 Reichsmark zu entrichten, was empfindliche Einbußen im Tourismus bewirkte.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde das Haus zur „Reichszollschule“ umgebaut, wofür sowohl in den Innenräumen als auch in der äußeren Erscheinung erhebliche Eingriffe vorgenommen wurden. Die Schmuckelemente an der Fassade verschwanden ebenso wie die Balkons und der markante Turm, während sämtliche Rundbogen-Fenster dem rechten Winkel angepasst wurden. 1943 erfolgte die Umwandlung zum Lazarett, wofür ein zweigeschossiger Anbau errichtet wurde. Nach Kriegsende nutzten französische Truppen das Haus, bis es 1955 bis 1998 dem Österreichischen Bundesheer diente. Knapp sieben Jahre stand der Bau nach Abzug der letzten Soldaten leer, bis 2005 eine Gruppe Vorarlberger Investoren unter der Leitung der Entwicklungsgesellschaft „projektart“ die Wiederbelebung ins Auge fasste.