The King of Diamonds. Schmuck der Superlative von Graff.

Laurence Graff hat eine Passion für die Superlative – seine Leidenschaft für Diamanten treibt ihn seit 60 Jahren an. Graff Diamonds ist eines der feinsten Juwelierhäuser der Welt. Seine Schmuckkreationen sind nun auch bei Huber im Weissen Würfel und in Lech am Arlberg erhältlich.

 

Text Karin Pollack, Graff Fotos Adolf Bereuter, Graff  Foto Art Direktion Eva Engel  Foto- und Textredaktion agenturengel  Published kultuhr 45, 2015

 

Laurence Graffs Leben ist von der Leidenschaft für Diamanten geprägt. Diese Hingabe treibt ihn seit mehr als 60 Jahren an und nahm in der Schmuckwerkstatt Schindler in Londons Schmuckviertel Hatton Garden ihren Anfang. „Ich begann mit 15 Jahren als Lehrling und lernte das, was ich wissen wollte, in Tageskursen an der Central School of Arts and Crafts“, erinnert er sich.

Nach drei Monaten wurde er zu seinem Chef gerufen, der ihm eröffnete, dass er es niemals als Juwelier schaffen würde. „Das war mehr als Provokation und Abschreckung gemeint, brachte mich aber dazu, mit noch grösserer Bestimmtheit weiterzumachen“, sagt er und beruft sich auf die Werte seiner Familie, die immer hart arbeitete und stets vom Willen zum Erfolg angetrieben wurde. Als er begann, war Viktorianischer Schmuck in Mode.

 

 

Mut zum Aussergewöhnlichen
„Diamanten haben mich vom ersten Tag an fasziniert, ich habe mir jeden Stein immer und immer wieder angeschaut, ihn studiert, um die Reinheit und die Art, wie er geschliffen war, zu verstehen“, erzählt er. Er und sein Partner begannen Kopien von alten Viktorianischen Schmuckstücken anzufertigen, Schmuck auch zu reparieren. Schon bald konnte er seine Werkstatt vergrössern. Kaufen und Verkaufen wurde seine Spezialität. Jeden Gewinn investierte er in neue Edelsteine.

Sein unternehmerisches Talent, sein Riecher für gute Geschäfte und sein Mut zum Risiko zeichnen seine Karriere aus. Exemplarisch ist ein Ereignis in den 1960er Jahren. Graff traf einen Diamantenhändler und konnte ihn überzeugen, ihm 33 kleine Diamanten zu je 60 Pfund zu verkaufen. „Anstatt 33 einzelne Ringe zu machen, hab ich alle 33 Steine auf einem einzigen Ring vereint – ein Feuerwerk!“, erinnert sich Graff. Und tatsächlich wurde dieses Konzept ein Riesenerfolg. „Danach arbeitete ich an der Einzigartigkeit jedes Schmuckstückes, platzierte viele Diamanten zusammen und begann, auch mit Smaragden, Rubinen und Saphiren zu arbeiten.“

Vor allem reüssierte er dann während des grossen Ölbooms der 1970er Jahre. Die Scheichs liebten Graffs steinreiche Kreationen. Graff wurde zum Weltreisenden und expandierte dorthin, wo Menschen Geld für Juwelen ausgeben wollten. Seine Umsätze wuchsen und gaben ihm die Möglichkeit, ins Geschäft um die grössten Diamanten dieser Erde einzusteigen.

Steine und Weisheit
Den Anfang machte 1974 der gelbe „Stern von Bombay“ mit 47,39 Karat. „Ich war immer in die Tiefe und das Geheimnis dieser seltenen Steine verliebt“, erläutert er. Durch seine Hände gingen nicht nur berühmte historische Steine, sondern auch die grössten Diamanten, die in den letzten Jahren gefunden wurden. Eine Auswahl: 2001 der „Star of America“ mit lupenreinen 100,57 Karat, oder 2007 der Rohdiamant „Letseng Legacy“ mit 493 Karat. Graff kauft und verarbeitet. Darin ist er ein Meister.

2009 kam Laurence Graff in die Schlagzeilen, als er auf einer Auktion einen lange verschollenen, taubenblauen Diamanten um 24,3 Millionen Dollar kaufte, der in einem Velazquez-Bild an der Infantin Margarita Teresa verewigt ist und als „Wittelsbacher Diamant“ eine Legende war. Nachdem Graff den Stein erworben hatte, taufte er ihn in „Graff-Wittelsbach Diamant“ um – und teilte ihn. „Bei Diamanten wird vieles von der Natur
des Steines vorgegeben“, rechtfertigte er die Qualitätsverbesserung, die er durch diesen Schritt erreichte. Perfektion ist ein Schlüsselwort in Graffs Repertoire. Dafür ist er bereit, auch kühne Entscheidungen zu treffen.

Graff kann sich auch rühmen, den „Lesotho Promise“, den mit 603 Karat grössten lupenreinen Diamanten, der jemals auf der Erde gefunden wurde, erworben und verarbeitet zu haben. „Wir machen aus jedem Diamanten ein Fest. Ein Stein muss mühelos elegant sein, sein Geheimnis und seinen Zauber ausspielen und damit faszinieren“, sagt Graff im Brustton der Überzeugung. Was dem britischen Juwelier vor allem wichtig ist: Er folgt keinen kurzlebigen Trends. Die Steine werden so verarbeitet, wie es ihre Natur vorgibt. „Das unterscheidet uns von der Konkurrenz“, so Graff.

Der englische Juwelenhändler hat in seinem Leben viele berühmte Persönlichkeiten kennengelernt. „Im Laufe meiner Karriere hatte ich das Glück, viele interessante Menschen aus den Königshäusern, aus wichtigen Unternehmen oder Stars aus Film und Fernsehen zu treffen.“ Es sei einer der Vorteile in diesem Geschäft, gibt er zu. „Mit vielen meiner Kunden bin ich befreundet, viele Freundschaften sind nun aber auch auf die nächste Generation übergegangen“, sagt er und meint seinen Sohn François. „Wir fühlen uns wie eine grosse Familie.“ Und wer mit ihm ins Geschäft komme, werde Teil dieser Familie, sagt der Patriarch. „Unsere Kunden kaufen, was wir lieben, und wir lieben unsere Juwelen so, wie wir unsere Kinder lieben. Sie sind etwas ganz, ganz Besonderes für uns. Unser Bestreben ist es, Schmuckstücke für die Ewigkeit zu machen.“

Weltumspannendes Netz bis Vaduz
In seiner langen Laufbahn hat Graff es geschafft, in jedem Bereich der Diamantverarbeitung Fuss zu fassen. Er besitzt Anteile an der South African Diamond Corporation (SAFDICO)-Mine. Er gilt als einer der grössten Diamanthändler und kauft und verkauft an den grossen Börsen in Antwerpen und auf Auktionen. In seinen Werkstätten beschäftigt er über 70 Schmuckmachermeister, das Unternehmen verfügt über ein weltumspannendes Verkaufsnetz, um Liebhabern rund um den Erdball das Beste vom Besten bieten zu können. Die Distribution durch den Einzelhandel ist extrem selektiv. Umso mehr freut sich Norman J. Huber, die Schmuckraritäten von Graff, die allesamt im Highend-Bereich angesiedelt sind, nun im Weissen Würfel und in Lech am Arlberg anbieten zu können. „Bei Graff steht immer der absolut perfekte Edelstein im Mittelpunkt. Diese Top-Marke unseren Kunden anbieten zu dürfen, ist für mich persönlich ein Highlight unserer Firmengeschichte.“

Graffs Expansion in die Welt begann im Jahr 2000 in Monaco, seit damals hat er Geschäfte in Amerika, Russland und in vielen Ländern des asiatischen Raums eröffnet. Bei allen globalen Aktivitäten ist Graff Diamonds aber ein Familienunternehmen geblieben. Bruder Raymond ist von Beginn an dabei, sein Sohn François Graff hat mittlerweile die Geschäftsführung des Unternehmens übernommen.

Der Anspruch weiterhin: Jedes Schmuckstück soll eine Ikone sein. Exemplarisch ist etwa die „Peacock Brooch“, eine Brosche in Form eines Pfauenrades, 120,81 Karat schwer und 100 Millionen Dollar wert. Seit 2008 macht Graff auch Uhren der Luxusklasse, sowohl was die Besetzung mit Edelsteinen als auch die Technologie betrifft – die „Floral Graff“, die „Graff Butterfly“ oder die „Jewellery Watches“ sind eindrucksvolle Beispiele.

Vor sechs Jahren hat Graff, der für seine Verdienste um den Juwelenhandel von der englischen Queen mit dem Orden der Industrie ausgezeichnet wurde und auf ihrer Geburtstagseinladungsliste steht, sein angestammtes Terrain verlassen und ist in die Hotelbranche eingestiegen. Am Delaire Graff Estate in Stellenbosch nahe Kapstadt wird auch Wein produziert – und Kunst zelebriert.

Ikonen und Kunst
Denn Laurence Graff hat nicht nur eine Leidenschaft für Edelsteine, sondern auch für die Kunst. Sie begann in den 1970er Jahren mit dem Impressionismus. Sein erster Kauf war ein winziges Werk von Auguste Renoir. „Ein Bild war damals für mich so etwas wie ein Edelstein, den ich im Tresor aufbewahre. Es widerstrebte mir, das Gemälde an die Wand zu hängen“, lacht Graff. Das hat sich dann aber schnell geändert. Heute ist Laurence
Graff einer der wichtigsten Sammler der Welt und für seine Expertise in moderner Kunst berühmt.

Wofür Graff sich seit nicht allzu langer Zeit begeistert, sind seltene alte Autos. Diese Leidenschaft hat Laurence Graff übrigens von seinem Sohn übernommen. So wie dieser die Passion des Vaters für Juwelen geerbt hat. Er ist mit Edelsteinen aufgewachsen.

Im Gespräch mit dem Freund Peter Brandt in der Zeitschrift „Interview“ bemerkte Laurence Graff: „Kunst sammeln ist in den letzten Jahren so modern geworden, dass es zu viele Events gibt. Kunst ist nicht mein Beruf, sondern meine Leidenschaft. Ich habe nicht mehr genug Zeit“, meint er. Sein Nachsatz: „Das, was modern ist, birgt immer auch die Gefahr, wieder unmodern zu werden.“ In seinem Geschäft mit den Diamanten sei dies
aber nicht der Fall. Und das ist der grosse Unterschied.